Donnerstag, 9. Mai 2013

Generalunternehmer und LandschaftsArchitektur

Ein Teil meiner Arbeit besteht darin, Generalunternehmer (GU´s) bei der Realisierung der von ihnen mit angebotenen Freianlagen zu unterstützen. Diese sind oft kleinere Lose im Rahmen grösserer Bauaufgaben.
Hierbei sind vor allem drei Dinge gefragt:
  • Optimierung der Kosten, weil die GU - Kalkulation für die Freianlagen oft zu knapp kalkuliert werden.
  • Vermittlung bei der Kommunikation mit dem planenden Landschaftsarchitekten.
  • Optimierung der Logistik bei der Bauüberwachung, da die Freianlagen häufig auf engen Flächen realisiert werden müssen, während sich die meisten Hochbaugewerke zeitgleich in der Fertigstellung befinden. 
Wenn noch genügend Zeit ist, versuche ich die Leistung neu auszuschreiben, um durch Optimierung / Verbesserung der vorliegenden Planung Einsparungspotentiale für den GU herauszuarbeiten.
Die Arbeit ist naturgemäss sehr praxisorientiert, was mir bei allem zeitlichen Druck trotzdem sehr viel Spass macht. Immerhin bin ich als Sohn einer Bau - Unternehmerfamilie gross geworden. Auf Baustellen trifft man immer noch eine Vielzahl leistungsorientierter Menschen, die keine Zeit haben, sich an Konflikten zu berauschen, sondern ihr Handeln an Lösungsmöglichkeiten orientieren.
 Berlin Wegelystrasse (GU: Alpine Bau Deutschland AG, Planung LA: Topotek)
Berlin Türkische Botschaft (GU: Köster GmbH, Planung LA: St raum a)

Freitag, 29. März 2013

Walser: Eine Reise zu den Anfängen von Architektur ohne Architekten

Im Februar / März war ich Skifahren in Alagna, nordwestlich von Mailand in der Region Monte Rosa / Dufourspitze an der italienisch - schweizerischen Grenze. Hier habe ich nicht nur die richtig hohen Berge der Alpen gefunden, sondern auch eine einzigartige Form des alpinen Holzbaus.
Von den Walsern hatte ich zwar schon gehört, aber nichts über deren Fähigkeiten.
Ausgehend vom schweizerischen Wallis haben die Walser diverse Hochtäler - eben auch Alagna (ab 1255) - über den gesamten Alpenraum besiedelt.
Die Walser waren Experten für hochalpine Landwirtschaft. Wenn ein Fürst im Alpenraum sein Land auch oberhalb von 1.000 m über dem Meeresspiegel landwirtschaftlich genutzt sehen wollte, gab es zu den Walsern offensichtlich keine Alternative. Dies führte zu - in dieser Epoche - aussergewöhnlichen Privilegien wie die Vergabe besonderer Kolonistenrechte und Steuerbefreiung. Aufgrund Ihrer eigenen Rechtsverfassung spricht man auch von "Freien Walsern".
Da der Begriff Freiheit in meinem Weltbild eine herausragende Bedeutung besitzt, war ich sehr begeistert zu sehen, was passiert, wenn man Menschen freies Denken und Handeln zugesteht.
Ich habe bisher noch keine so alten Gebäude gesehen, die Funktionalität und Ästhetik perfekt in Einklang bringen. Die Häuser waren in der Vertikalen so aufgebaut, dass der Stall im Erdgeschoss Wärme in den darüber liegenden Wohnbereich abgegeben hat und diese Wärme durch den darüber liegenden Heuboden optimal gespeichert wurde. Wegen der hohen Niederschläge im Sommer aufgrund der klimatischen Beeinflussung aus der Po - Ebene musste eine Technik zum Trocknen des Heus entwickelt werden. Hierzu wurde unterhalb des weit überstehenden Daches - komplett um den Hauskern herum - ein Gerüst aus Latten installiert, auf denen das Heu zum Trocknen gelagert werden konnte. Hierdurch ist zusätzlich ein hochtransparenter und gleichzeitig geschützter Raum zwischen Gebäude und Freiraum entstanden, der auf vielfältige Weise genutzt werden konnte.
Das sichtbare Ergebnis dieser Konstruktionen ist ortsbildprägend und hat mich begeistert. Die Häuser wirken trotz Ihres Alters von mehreren hundert Jahren zeitlos modern. Die Konstruktion verleiht ihnen eine wunderbare Leichtigkeit.
Interessant ist die Frage, ob dieser ortsbildprägende Stil in die Gegenwart transformiert werden kann. Die beiden aktuellen Beispiele zeigen aus meiner Sicht, dass dies sehr schwer ist, weil diese Bautechnik ausschliesslich aus einer funktionalen Notwendigkeit heraus entwickelt worden ist, für die es in der Gegenwart keine Verwendung gibt. Entweder entsteht eine 1 : 1 Kopie oder diese Technik wird als reines Dekorationselement eingesetzt.
Beide Beispiele sind ästhetisch ansprechend und architektonisch ambitioniert aber leider ohne Funktionalität für zeitgenössische Ansprüche.
Weiterführende Links:

Samstag, 2. März 2013

Urbanität, Urbanistik, Urbane: Definition und Beispiele

In vielen fachlichen Diskussionen bezeichne ich mich gerne als "Urbanisten": Da habe ich mir gedacht, dass es nicht schaden kann, wenn der LandschaftsArchitekt zur Sicherheit einmal genau recherchiert, was er da überhaupt erzählt.
Die erste Erkenntnis ist, dass in Wikipedia der vom lateinischen "urbs = Stadt" hergeleitete Begriff Urbanität in verschiedenen Disziplinen (Rhetorik, Geographie, Architektur und Städtebau, Soziologie) Verwendung findet.
Die Urbanistik steht für Stadtforschung und ist eine eigenständige Wissenschaftsdisziplin.
Im Englischen steht "urbane" für gewandt, höflich kultiviert, weltgewandt und weltmännisch.
Ich stelle fest: Ein gut gewählter Begriff.

Der Artikel "Eine toxische Mischung" in der FAS hat mich dazu inspiriert, über das Stadtleben weiter nachzudenken. Was macht urbanes Leben aus? Was verbindet man mit urbanem Leben?
Manche würden sagen, die Vielfalt, die Toleranz, die vielen Menschen, die Bildungsmöglichkeiten,
... die Stadt kann Energie verleihen.
Andere verbinden Urbanität mit Stress, Hektik und Depressionen,
... die Stadt kann Energie entziehen.
Ich bin der Meinung: Leben und Stadt sind eigentlich ein und dasselbe.
Japan ist in dieser Frage gegenwärtig ein exponiertes Experimentierfeld. Der Architekt und Theoretiker Yoshiharu Tsukamoto schafft die Voraussetzungen für die fachliche Debatte. Das Büro On Design hat mit dem "Yokohama Apartment" ein Projekt kreiert, in dem der Wohnungsbau auf gemeinschaftliche und kollektive Aspekte zurück geführt wird. Die Idee basiert auf einer Art "Patio", als Aufenthaltsort für die Wohngemeinschaft, von dem aus die einzelnen Appartements oder Häuser erschlossen werden.
Sein Landsmann Riken Yamamoto hat einen ähnlichen Ansatz, transformiert diesen aber bei seinem Projekt "Shinonome Canal Court Block 1" in ein Hochhaus, in dem Loggien, die Funktion von urbanen Plätzen übernehmen.
Meine Klassiker bleiben nach wie vor:
a/ "Piazza di Campo" in Siena. Jeden Tag ein belebter Platz.
b/ "Place de Vosges". Ein perfektes Ensemble von Platz und umliegender Bebauung.
c/ "La Rambla" in Barcelona als Symbiose von Aufenthalt und Erschliessung.

Dienstag, 22. Januar 2013

Ist Modellbau in der LandschaftsArchitektur noch zeitgemäss?

Aber Selbstverständlich!
Auch in aktuellen Zeiten mit unendlichen digitalen Möglichkeiten, ist der Modellbau eine ausgezeichnete Technik, um mit Bauherrn und Planungspartnern über die räumliche Wirkung von LandschaftsArchitektur zu sprechen.
Neben digitalen Modellen oder Animationen baue ich regelmässig Werkmodelle, die - ähnlich einer Skulptur - von allen Seiten betrachtet werden können. Direktes anfassen und sehen erleichtert die Vorstellung des zukünftigen Bauprojektes.
Ein besonderer Vorteil ist die Möglichkeit, durch herausnehmbare Einsätze, einen "Vorher - Nachher - Vergleich" - sekundenschnell simulieren zu können.
Hier entstanden 3 Ebenen: Ein neuer Kellereingang, eine Ebene für einen Senkgarten zum Aufenthalt der Bewohner und eine Ebene für den Verkehrsweg als Ein- und Ausgang in den Gartenbereich.
Der ehemalige Industriestandort mit Seelage in Brandenburg war ein Beitrag für einen eingeladenen Wettbewerb zwischen drei Büros. Ich habe mich als Einzigster für die Präsentation mittels Modell entschieden und konnte mich damit durchsetzen. Auch hier habe ich Einsätze installiert, die das Vorher / Nachher besser simulieren.
Diese Stangenkonstruktionen habe ich in einem recht engen Innenhof in Berlin Kreuzberg geplant, um auch den Raum in der 3. Dimension zu gestalten. Auf einem 2D - Plan und auch in einer 3D - Animation würde die Idee völlig untergehen und digital würde es Stunden dauern diese Anordnung zu konstruieren.
Das Werkmodell wurde nicht nur schnell und mit einfachen Mitteln gebaut. Während der Herstellung gab es noch diverse Änderungen und Verbesserung.
Einen weiteren Post zum Thema finden Sie hier.

Donnerstag, 3. Januar 2013

High - End - Holzarchitektur aus Südtirol

Ziel meiner Reise nach Südtirol waren zwei aussergewöhnliche Holzarchitekturen in Bressanone (Brixen) und Pontives, Val Gardena (Grödnertal).
Als LandschaftsArchitekt fühle ich mich von Architektur vor allem dann inspiriert, wenn traditionelle Sichtweisen hinterfragt und völlig neu gedacht werden.
Hinzu kommt, dass beide Bauherren Holz verarbeiten, und die Holzarchitektur als Statement des eigenen Schaffens verstanden werden kann.

Bressanone
Das von MODUS architect, Matteo Scagnol entwickelte Verwaltungsgebäude des Holzbauunternehmens Damiani ist sowohl spektakulär als auch funktional. Zum einen sorgen die Einkerbungen der Holzlamellen für einen skulpturalen Charakter. Zum anderen sind die Holzlamellen ein hoch effektiver Sonnenschutz.
Pontives
Es handelt sich um eine Produktionsstätte der besonderen Art, die von Bergmeisterwolf Architekten, Brixen für den Neubau der Holzschnitzerei Perathoner entworfen wurde. Die Idee leitet sich direkt aus dem Kunsthandwerk der Holzschnitzerei her. Die vielen Kanten und Ecken der Fassade sind inspiriert durch einen noch unfertigen, grob behauenen Holzblock, der Ausgangsprodukt für die späteren Holzfiguren ist. Durch den Wechsel von Schindeln und Glasflächen wird dieser Eindruck noch verstärkt.

Freitag, 30. November 2012

Fertiggestellt: Türkische Botschaft in Berlin inkl. Großbaumpflanzung

Das Aufgabenfeld eines LandschaftsArchitekten ist weit gestrickt. Eine Aufgabe besteht darin, das Geplante umzusetzen und zu überwachen. Bei der vor kurzem fertiggestellten "Türkischen Botschaft" im Berliner Botschaftsviertel habe ich für den Generalunternehmer Köster aus Osnabrück die Realisierung der Freianlagen überwacht. Die Architektur stammt von Nickol / Schmidt / Hillig, die Landschaftsarchitektur von STraum A. Es ist eine schönes Gefühl, an diesen aussergewöhnlichen Projekt mitgewirkt zu haben.
Eingangsportal
Blick vom Dach auf den Vorplatz
Blick vom Dach Richtung Potsdamer Platz
Zugang zum Senkgarten
Senkgarten mit Brunnen
Im Bereich der Vorfahrt wurde eine grosse Platane der Baumschule Bruns gepflanzt.
Aufgrund des unvermeidbaren Sommertermins mussten hier alle Register für ein erfolgreiches Anwachsen des Baums gezogen werden (frühmorgendliche Anlieferung, Kronenschnitt in der Baumschule, Transport in einem geschlossenen LKW, Entladung mittels Autokran, Verwendung von Ballengeschirr, Ausrichtung der Himmelsrichtung, Verdunstungsschutz, spezielles Pflanzsubstrat, Unterflur - Ballenverankerung, Bewässern usw.).
Es war deutlich zu spüren, dass alle Beteiligten (Galabau: Aumann, Strassenbau: Blok) Spass an der Sache hatten und jeder zum Gelingen einen Beitrag leisten wollte. Wahrscheinlich haben alle geglaubt, mit dieser Aktion einen Teil des Zitats "dass ein Mann ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und ein Kind zeugen solle" erfüllt zu haben.
Die Herkunft dieses Zitats ist im Übrigen schwer zu recherchieren. Wahrscheinlich stammt es ursprünglich von Heinrich von Kleist und wurde später abgewandelt:
Heinrich von Kleist schrieb am 10. Oktober 1801 in Paris in einem Brief an seine Verlobte Wilhelmine von Zenge (Quelle: http://www.kleist.org/briefe/053.htm):
"Unter den persischen Magiern gab es ein religiöses Gesetz:
ein Mensch könne nichts der Gottheit wohlgefälligeres thun,
als dieses, ein Feld zu bebauen, einen Baum zu pflanzen, und ein Kind zu zeugen.
Das nenne ich Weisheit, und keine Wahrheit hat noch so tief in meine Seele gegriffen, als diese."

Sonntag, 25. November 2012

Entwurfsprozess in der LandschaftsArchitektur

Die Entwurfsphase ist die kreative Keimzelle meines Berufsbildes. Erst wenn diese geleistet ist, kann im nächsten Schritt über technische Umsetzung und Kostenkontrolle nachgedacht werden.
In dieser Phase ist auch die Beziehung zum Auftraggeber am intensivsten. Immerhin stehen hier neben technischen und funktionalen Anforderung auch persönliche Vorlieben zur Debatte.
Im Idealfall entsteht ein Ping - Pong - Spiel, in dem der Auftraggeber Wünsche und Anforderungen zuwirft und Kreativität und fachlichen Rat zurück erhält. Wenn dieses Spiel auf Augenhöhe passiert, ist das Ergebnis in der Regel immer besser, als jede Planung, die nur im Büro entwickelt wird.
Eines meiner aktuellen Projekte ist gut geeignet, diesen Entwurfsprozess zu dokumentieren: Es handelt sich um einen Wohnungsstandort mit ca. 100 Einheiten mit Wasserlage in Berlin Charlottenburg. Die Anordnung der Gebäude ergibt einen Innenhof, in dem diverse technische und funktionale Anforderungen zu berücksichtigen waren:
  • Erschliessung der Zugänge 
  • Feuerwehrzufahrt als Ringerschliessung 
  • Der Hof liegt vollständig auf einer Tiefgarage 
  • Barrierefreiheit 
  • Spielflächen
Wenn die o. g. Kriterien vollständig in die erste Skizze einfliessen sollen, wird das eine schwierige Aufgabe. Leichter ist es, zuerst die Erschliessung zu klären und die anderen Punkte im Hinterkopf zu behalten. Gestartet bin ich mit zwei grundsätzlich unterschiedlichen Erschliessungsarten:
  • Linear über Wege.

  • Flächige über eine durchgehende Hoffläche.

  • Bei der ersten Vorstellung wurden beide Varianten verworfen und statt dessen ein Kompromiss in Form eines Verteilungsknotens (Linien und Flächen) entwickelt.

  • Bei der nächsten Vorstellung wurde der Wunsch nach geschwungenen Wege geäussert.

  • Die geschwungenen Wege wurden dahin konkretisiert, dass die Wegeführung aus den Vegetationsflächen entwickelt wurde...

  • .... und hieraus unterschiedlich breite Wege entstehen.

  • Die sog. Bubbles wurden nun entspr. der geforderten Kriterien angeordnet und mit entspr. Funktionen versehen. Die aussenliegenden Pflaster - Bubbles ermöglichen die Ringerschliessung der Feuerwehr. Die innenliegenden Vegetations - Bubbles bilden den Parkteil inkl. der geforderten Spielflächen. Die Anhebung der Bubbles ermöglicht die verdeckte Unterbringung der Tiefgaragenlüftung.

Dienstag, 20. November 2012

Stadtplanung: Was wird aus Berlin Lichterfelde Süd

Der Artikel "Gefahren der Grossstadtwildnis" im Tagesspiegel vom 10.11.2012 über den aktuellen Status von Lichterfelde Süd hat es wieder hochgeholt:
Was ist die Aufgabe von "Stadt" und was soll "Stadt" für seine Bewohner leisten?

Für die Nicht - Berliner eine kurze Übersicht:
  • Die ca. 115 ha grosse Fläche am südlichen Stadtrand von Berlin war bis zum Mauerfall Trainingsgelände der amerikanischen Truppen im ehemals amerikanischen Sektor von West - Berlin. Das Parks Range - Gelände diente zur Übung des Häuserkampfes inkl. nachgebauter Geisterstadt und U - Bahnhof. Wenn ich als Knirps meine Oma Ella in Berlin Steglitz besucht habe, war ich oft am Gelände und habe die Panzer bewundert, da der Schrebergarten an der Osdorfer Strasse zur Grundausstattung eines geordneten West - Berliner Haushalts gehörte.


  • Nach 1989 wurde die Fläche beräumt und der Sukzession überlassen.
  • 1989 wurde vom Projektentwickler Haberent auf der Basis des Flächennutzungsplans von 1994 ein internationaler städtebaulicher Wettbewerb für Teams aus Architekten und LandschaftsArchitekten durchgeführt, an dem ich zusammen mit den Architekten Hansen / Wiegener / Eberl - Pacan teilgenommen habe. Aufgabe war die Planung von ca. 3.300 Wohnungen inkl. Erschiessung und Infrastruktur mit einer seinerzeit veranschlagten Investitionssumme von ca. 1,6 Mrd DM.


  • Die Wettbewerbssieger aru – Florian Beigel, London / GB hatten sich auch vor allem deshalb durchgesetzt, weil sie ein hohes Mass an Respekt für die damals bereits bestehenden wertvollen ökologischen Strukturen entgegengebracht hatte. Einen Kommentar zur Preisgerichtssitzung unter Perter Kulka finden Sie hier.


  • In Berlin - typischer Manier wurden dann im Wettbewerb erbrachte mehrere hunderttausend DM Planungskosten in den märkischen Sand gesetzt. Das Gelände landete beim aus der Vivico hervorgegengenen Projektentwickler CA Immo, der wiederum an die Groth - Gruppe weiterveräussert hat.
  • Die Sukzession schritt zwischenzeitlich voran, weswegen der BUND das Gelände mit einem Umweltpreis ausgezeichnet hat. Gegenwärtig grasen hier Pferde.
  • Die Groth - Gruppe beabsichtigt die Fläche wieder als Wohnungsbaustandort zu entwickeln. Ein schönes Zitat aus dem o. g. Artikel: "Dass Groth ein Gelände kauft, weil dort 51 Vogelarten brüten sowie 387 verschiedene Farne und Blühpflanzen wachsen, wäre neu."

Für Berliner und Nicht - Berliner eine kurze Übersicht meiner Standpunkte zur Fläche:

  • Stadt ist ein Standort für Menschen. Innerhalb von Stadtgrenzen sollte eine Abwägung zw. Naturschutz und Mensch immer zugunsten des Menschen entschieden werden.
  • Grünstrukturen sind zwingender Bestandteil von Stadtplanung. Innerhalb von Stadtgrenzen sollte aber in erster Linie der Bedarf von Erholung und Freizeit abdeckt werden.
  • Berlins Lage als Metropole in einem extrem dünn besiedelten Umland ist nicht vergleichbar mir Agglomerationen wie London oder Paris. Gerade diese besondere Lage ermöglicht Naturschutz dort, wo das Konfliktpotential vermieden werden kann. Und das kann nicht innerhalb von Stadtgrenzen sein.
  • Trotz 51 Vogelarten und 387 Farne und Blühpflanzen sollte eine Bebauung von Lichterfelde Süd nicht am Naturschutz scheitern.


Donnerstag, 18. Oktober 2012

Spielgerät oder Spielangebot?

Der Görlitzer Park in Berlin Kreuzberg ist eine ehemalige Eisenbahn - Brache, die Ende 1980 in vielen Jahren und Bauabschnitten von der Planungsgruppe Freiraum zu einem lebendigen Volkspark umgestaltet wurde. In diesem hochverdichteten Stadtteil erfüllt der Park elementare Bedürfnisse. Hier trifft sich die Berliner Mischung aus Grossfamilien, Lebenskünstlern, Drogendealern und vielen anderen.
Mein persönlicher Favorit ist die grosse Rutsche am südlichen Ende. Diese erfüllt für mich alle Kriterien, die ich an ein gutes Spielangebot stelle:
  • Es ist einzeln zu bespielen, kann aber auch von vielen Kindern gleichzeitig benutzt werden (was kann es schöneres geben, wenn drei alte Kumpels Arm in Arm gemeinsam die Rutsche hinunter brettern - siehe drittes Foto).
  • Es kann generationsübergreifend genutzt werden.
  • Es stellt eine Herausforderung dar.
  • Es ist aus der Logik seiner Umgebung (hier: die Topografie) entwickelt worden.

Ein anderes herausragendes Beispiel ist der Rheingartenbrunnen im Kölner Rheingarten des LandschaftsArchitekten Georg Penker, zusammen mit dem Künstler Eduardo Paolozzi.
Inspiriert vom Ensemble Spanische Treppe / Fontana della Barcaccia ist der Brunnen ein räumlicher Abschluss der grossen Treppe von der Plattform des Kölner Doms hinunter zum Rheingarten. Die Barkasse, die den Brunnen vor der Spanischen Treppe schmückt ist hier jedoch zerborsten. Die einzelnen Teile "schwimmen im Wasser" und die Kinder haben einen riesigen Spass von einem "Wrackteil" zum nächsten zu springen.
Die Bilder sind ein wunderbarer Beleg für meine o. g. Kriterien. Allein oder gemeinsam die Herausforderung einer steilen Rutsche zu bewältigen oder oder von Insel zu Insel zu hüpfen ist eine wertvolle Erfahrung, die sich in beiden Fällen über Jahrzehnte bewährt hat.
Ich kenne beide Orte seit über 20 Jahren und bin immer wieder fasziniert, dass sie nichts von Ihrer magischen Anziehungskraft verloren haben.
Die Broschüre: "Kinder- und Jugendinteressen in der räumlichen Planung - Spielleitplanung für Berlin" ist eine interessante Veröffentlichung zum Thema. Die steigende Zahl älterer Menschen bei gleichzeitiger sinkender Zahl jüngerer Menschen veranlasst die Städte darüber nachzudenken, wie man die Lebensqualität steigern kann, um Familien in Städten zu halten oder ggf. wieder für Städte zu gewinnen. Die "Spielleitplanung" ist ein Leitfaden für  eine nachhaltige und umweltgerechte Entwicklungsplanung, die sich vor allem an den Bedürfnissen und Sichtweisen von Kindern und Jugendlichen orientiert. 

In Berlin Pankow wurde ein Modellprojekt initiiert, bei dem die "Spielleitplanung" als Instrument kind- und jugendgerechter Planung umgesetzt wurde. Ziel war es, durch verschiedene Methoden wie schriftliche Befragungen und Interviews, die gewonnen Erkenntnisse aufzuarbeiten und für ganz Berlin nutzbar zu machen (www.spielleitplanung-berlin.de).

Für mich war interessant, dass sich die Altersgruppe zwischen 9 und 13 Jahren eindeutig die Verbesserung ihrer Umgebung sowie mehr Spiel-, Erlebnis-, und Aufenthaltsflächen als Forderung benennen konnte. 
Bei Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren stehen zwar Kinos und Cafés an erster Stelle, aber auch hier werden mehr Freiräume, Plätze zum Skaten, Sportanlagen sowie saubere Parkanlagen / Seen und Spielplätze gefordert.
Mit diesem eindeutigen Votum werde ich meinem / meiner Beruf(ung) wohl noch ein paar Jahre nachgehen können.